• In Coronazeiten freuen sich die grossen Pharmafirmen über einen Profitschub. Aber auch in kleinen Unternehmen steckt viel Potenzial.

    Ina Bullwinkel

25.06.21, Banjou. Antigen-Schnelltests von Roche, Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer. Die Namen vieler Pharmaunternehmen gehören seit der Corona-Pandemie zu unserem aktiven Wortschatz. Es sind vor allem die grossen, oder durch Corona gross gewordenen, Namen, die wir hören. Doch im Abglanz der Grossen kommen auch kleine Firmen zur Blüte. In der Region ist Big Pharma bekanntlich zu Hause. Daneben gibt es mehr als 70 Biotech-Startups in den beiden Basel. Die Pandemie ist für sie eine Chance, ihre Erfindungen in die grosse Arena zu führen. Zu ihnen gehören Kinarus, ACM Biosciences und RocketVax. Sie alle haben Produkte entwickelt, von denen sie hoffen, dass sie in der Bekämpfung der Coronapandemie eine Rolle spielen werden. Ihre Gründer und leitenden Manager*innen stammen nahezu alle aus dem Umfeld von Roche, Novartis oder den anderen Grossen. Und um dereinst abzuheben, hoffen sie wiederum auf eine Zusammenarbeit mit den Big Pharma.

Drei Büros mit Computer, mehr nicht

Besuch im Stücki Park. Auf dem Firmencampus liegt die Kinarus AG. Das Unternehmen rückte kürzlich ins Licht der Öffentlichkeit, weil es ein Mittel gegen Long Covid auf den Markt bringen will – schon kommendes Jahr. Das Medikament ist gedacht als vorbeugendes Mittel für Menschen, die sich mit Corona angesteckt haben und mit Symptomen ins Spital eingeliefert wurden. So soll es erst gar nicht zu einer künstlichen Beatmung oder zu Long-Covid-Symptomen kommen.

CEO Alexander Bausch holt seinen Gast persönlich beim Aufzug ab, bei Startups ganz normal. Er führt zu seinem Büro, es ist eng: ein Schrank, ein Schreibtisch und zwei Stühle. Kinarus ist eine kleine Biotech-Firma mit fünf Leuten. «Wir haben drei Büros mit Computer, das war’s.»

Bausch sagt das nicht ernüchtert, er ist einfach realistisch. Er weiss, was seine Firma leisten kann und was nicht. «Ich komme ja auch von Big Pharma», sagt Bausch, der Pharmazie studiert und in Basel promoviert hat, bevor er 20 Jahre in der Forschung bei Roche gearbeitet hat. Bausch befindet sich in guter Gesellschaft. Nach Angaben der Standortförderung «Basel Area Business & Innovation» wurden etwa die Hälfte der Startups in Basel und Umgebung von ehemaligen Mitarbeitenden von grossen Pharmakonzernen (mit)gegründet. Bekanntestes Beispiel ist Actelion im Baselbiet. Das Unternehmen hat sich in weniger als 20 Jahren von einem kleinen Roche-Ableger zu einem erfolgreichen Pharmaunternehmen entwickelt und wurde 2017 für 30 Milliarden von Johnson & Johnson übernommen.

Von so einem kometenhaften Aufstieg kann Bausch derzeit nur träumen. Die Grundlage seiner Firma ist eine Substanz, die er von einer grossen Pharmafirma lizenziert hat. Drei Jahre lange musste er verhandeln, um die Lizenz zu bekommen. Die Substanz kann als Medikament gegen verschiedene Krankheiten eingesetzt werden. Für die grosse Firma sei das Arzneimittel allerdings nicht von Nutzen gewesen, da es nach wenigen Tagen aufgehört hat zu wirken. Bausch und sein Team haben herausgefunden, woran das liegt. Und festgestellt, dass man diesen Effekt verhindern kann, wenn man eine zweite Substanz hinzugibt. Diese Kombination hat Kinarus patentiert in fünf Indikationen – das ist, was die Firma ausmacht. Indikation meint nichts anderes als das Krankheitsbild, für das ein Medikament eingesetzt wird, zum Beispiel Covid-19.

Bauschs Taktik ist aufgegangen. «Es gibt viele Biotechfirmen, die von ‹weggeschmissenen› Ideen der Grossen profitieren», sagt Bausch. «Ich suche immer aktiv nach einer vorhandenen Anwendung einer Substanz, an die die Leute noch nicht gedacht haben. Und das patentiere ich dann.» Schon vor Covid wollte der studierte Pharmazeut seine Substanz in verschiedenen Indikationen einsetzen. «Als dann Covid kam, mussten wir eigentlich nur in den Keller gehen, um unsere bisherigen Resultate rauszuholen und diese einzubringen.»

Aktuell hat Bausch sein Medikament an 14 Patient*innen getestet, die mit Covid-19 ins Spital eingeliefert wurden. Die Studie läuft noch, er sucht nach mehr Testpersonen. Da es derzeit wenig Fälle gibt, sind die gar nicht so leicht zu finden.

Ob es das Mittel denn bis 2022 auf den Markt schafft, wie zu lesen war? «Pff», Bausch atmet schwer aus, lacht fast, «nur wenn alles super läuft. Wenn ich keine Patienten bekomme, dann geht es länger.» Damit alles «super» läuft, braucht es eine gute Wirkung und Gespräche mit den jeweiligen Gesundheitsbehörden. Aber auch Geld. Bausch ist derzeit mit Investor*innen im Gespräch.

Und was passiert, wenn das Medikament tatsächlich gegen Corona eingesetzt wird? «Ich befürchte, dann könnten wir nicht schnell genug wachsen. Wenn es eine deutliche Wirkung hätte, dann müsste man sich einen Partner suchen, eine grosse Pharma-Firma.»

So läuft es häufig: Eine Idee von einem grossen Player wird im Kleinen weitergesponnen. Hat die Erfindung Erfolg, braucht es jedoch wiederum einen Partner, der die Kapazitäten hat, grosse Mengen zu produzieren und der über ein grosses Netzwerk verfügt, um weitergehende Studien im grossen Rahmen durchzuführen.

Kinarus AG

Gegründet: 2017

Leitung: Alexander Bausch (CEO)

Mitarbeiter*innen in Basel: 5

Corona-Produkt: Vorbeugendes Mittel gegenschwere Corona-Verläufe und Long Covid. Gründer Alexander Bausch hat einen Entzündungshemmer patentiert. Auch bei Covid-19 kommt es zu Entzündungen im Körper, weshalb sie sich vom Medikament viel versprechen. Mit dem Mittel soll die Entzündung gehemmt, aber auch das Virus daran gehindert werden, sich zu vermehren.

Zeitplan: Frühestens 2022 auf dem Markt

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